Der Roman "Baumweise Stimmen" beginnt mit der faustischen Frage des Erzählers, was von all den Texten bleibt, die er gelesen hat. Gibt es, so fragt er, neben all dem Vergessenen, nicht doch so etwas wie eine Leiblichkeit des Textes, die sich im Körper des Lesers bewahrt? In Baumweise Stimmen geht es, wie der Titel sagt, um Stimmen und um Bäume, es ist aber auch ein Buch über das Lesen und das Schreiben als leiblich-sinnlicher Akt. Nicht theoretisch, sondern in Gestalt eines Streifzugs durch Berliner Hinterhöfe, in denen der Erzähler tiefgründige und zuweilen skurrile Begegnungen um die Fragen von Text und Körper, Vergessen und Erinnern, Leben und Lesen erlebt. Dabei berührt der Text sowohl philosophische Fragen als auch manche Wunden (und Wunder) der Vergangenheit.
In der stadtnahen Natur ergeben sich weitere Fragen: Was verbindet Buchstaben und Bäume? Worin ähneln sich Lesen und Waldspaziergänge? Und: Kommen wir aus einer Wurzel oder vielen verschiedenen, untereinander verzweigten? Und die Stimmen? Die Stimmen in uns, die Stimmen, mit denen wir sprechen - sind es nicht die Stimmen aller Beteiligten in unserem Leben?
Der Roman enthält manche Bezüge zur Musik und zur Kunst, unter anderem zu Joseph Beuys, dessen soziale Plastik lebendige Gestalt in den Gesprächen und Begegnungen der Protagonisten gewinnt.
Frank Hahn ist Autor und Gestalttherapeut. Zur Gestalttherapie ist er durch die dialogische Philosophie Martins Bubers und Franz Rosenzweigs gekommen. Zu letzterem hat Hahn zwei Bücher veröffentlicht – so unter anderem: "Der Sprache vertrauen - Annäherungen an das Sprachdenken Franz Rosenzweigs". Im Herbst 2022 wurde sein Debütroman „Brennendes Treibeis“ veröffentlicht. Im April 2025 erschien sein zweiter Roman „Baumweise Stimmen“. Seit 18 Jahren leitet Hahn den Kulturverein Spree-Athen e.V., der regelmäßig Vorträge und Gesprächsrunden zu philosophischen und literarischen Themen anbietet.

